Hexe, Magierin, Zauberin, Zaubererin, Zauberkünstlerin oder was?!

Letztes Wochenende war ich auf dem MZvD-Jugendworkshop in Idar-Oberstein – das Treffen für Zauberer unter 30. Dort gab es von Lou für die 5 weiblichen der 80 Teilnehmer einen „Frauenpower-Workshop“. Natürlich waren die anderen gleich alle neugierig und wollten wissen: „Was macht ihr denn da?“ Das zentrale Thema war der Unterschied zwischen zaubernden Frauen und zaubernden Männern. Welche Unterschiede gibt es bei uns im Umgang mit Zuschauern? Und ganz wichtig: Wer sind wir eigentlich?

Bei Männern hört man den Begriff Zauberer und jeder hat ein Bild vor Augen. Meistens ist das der Typ mit Zylinder auf dem Kopf incl. Hase natürlich, den Tauben im Ärmel und dem Spazierstock als Tanzpartner. Oder man denkt an eine lebende Diskokugel so wie es in den 60ern modern war. Manch einer denkt vermutlich noch an David Copperfield und Hans Klok und die eher kritisch denkenden Menschen an Uri Geller und andere Mentalisten. Ach ja, die Streetmagicians gibts da ja auch noch…

Aber eine zaubernde Frau – wer oder was ist das eigentlich? (Nein, die Assistentin als lebendige Requisitenablage ist damit nicht gemeint.)

Im Englischen sagt man einfach „female magician“ und ist damit mehr oder weniger fein aus dem Schneider. Im Deutschem klingt „der weibliche Zauberer“ erstens komisch und zweitens immer noch viel zu männlich für eine Frau.

Im Deutschen gibt es einige Wörter die Zauberei mit einer Frau kombinieren:
Hexe, Zauberin, Zaubererin, Zauberkünstlerin, Magierin

Bei Hexe ist die erste Assoziation vermutlich eine alte Frau mit krummer Nase, die in einer kleinen Hütte im Wald haust. So sieht man es auch immer wieder in Filmen, Comics und Märchenbücher beschrieben. Bevor die Hexen verfolgt wurden, waren es wohl sehr naturkundige Frauen, die gleichzeitig geschätzt und gefürchtet wurden. Ob es in der heutigen Zeit noch genau solche Hexen gibt, weiß ich nicht. Es gibt Webseiten von Frauen, die sagen sie seien Hexen. Bis jetzt bin ich aber noch keiner Person begegnet, die ernsthaft von sich behauptet hat, sie wäre eine Hexe. Wicked ist aber trotzdem toll und sehenswert. 😉

Zauberin bzw. Zaubererin scheint tatsächlich von den meisten Leuten als die weibliche Version von der Zauberer angesehen zu werden. Laut Bastian Sick und seinem Genetiv Folge 2, S. 220: „Vom Zaubermann zur Zauberfrau“ heißt es nur die Zauberin, da -er das männliche Ende ist, wenn man die Bezeichnung vom Wort „Zauber“ ableitet. Die Tücken des Wortes Zauberer verstärken sich in ihrer weiblichen Form. „Was, du bist Zauberer? Aber du kannst net wirklich zaubern oder?“ im Vergleich zu „Oh. Du bist Zauberin. Sag mal, kannst du wirklich zaubern?“ Diese sehr häufigen Fragen zeigen, dass dieser Begriff von den meisten Leuten als sehr ungenau empfunden wird. Ähnliches gilt für „Magier“ und „Magierin“. Selbst wenn es einen schöne exakte Definition geben sollte, die Leute fragen trotzdem nach.

Wenn man Zauberei mit Unterhaltungskunst kombiniert, bekommt man mit ein wenig Glück Zauberkunst heraus. Daraus lässt sich dann ganz leicht „Zauberkünstler“ und „Zauberkünstlerin“ ableiten. Die meisten zaubernden Frauen, die ich kenne sind Zauberkünstlerinnen. Aber wann ist man eine Zauberkünstlerin? Wann ist es Kunst?? Was ist wenn man nur unterhalten will? Ist man dann nur noch Zauberunterhalterin?

3 Gedanken zu “Hexe, Magierin, Zauberin, Zaubererin, Zauberkünstlerin oder was?!

  1. Wie begründest Du denn den Unterschied zwischen Unterhaltung und Kunst? warum unterhält Kunst nicht? Das erscheint mir nicht unbedingt logisch!

    Was die Bezeichnung der Beschäftigung mit der Kunst der Täuschung betrifft, so sehe ich das für Euch Frauen nicht als kompliziert, sondern eher als gute Chance, eine Definition zu finden, die noch nicht so oberflächlich besetzt ist , wie bei Männern.
    Du hast schon das kitschige Klischeè beschrieben mit dem Zylinder und dem Karnickel!
    Das ist grauenhaft und Männer bekommen das fast nicht weg!

    Die Öffentlichkeit besetzt mit dem Begriff des Zauberers zwar den Mann, aber in einer Form, die heutzutage wohl eher schädlich als konstruktiv ist, aufgrund dieses Klischeés.

    Ich sehe Euer Problem damit nicht negativ, sondern eher als Chance, einen Vorteil GENAU DARAUS zu ziehen.

    Beim Mann ist der Begriff des Zauberers meist mit einer Darbietungsform aus den 60er Jahren besetzt, die man als Mann dann erst einmal mit Leistung durchbrechen muss.

    Ich glaube nicht, dass es nötig ist, als Frau sich an den Begriffen der Männer anlehnen zu müssen, die eben sowieso in der Öffentlichkeit schon peinlich besetzt sind.

    Eure Chance besteht meiner Meinung nach darin, mit einem neuen Begriff der Kunst eine neue Chance zur Akzeptanz in der Öffentlichkeit zu geben.

  2. Fast alles was den Menschen beschäftigt unterhält ihn auch, z.B. Nachrichten. Auch Arbeit gibt den Menschen in gewisser Sicht Unterhalt. Ja, er kann davon leben. Kunst ist mehr als nur Unterhaltung. Kunst erfordert Kreativität. Ohne eine Funken Kreativität, keine Kunst. Das heißt wiederum nicht, dass alles Kreative Kunst ist. Der Informatiker kann z.B. eine sehr kreative Lösung für sein Problem finden, aber kaum einer wird ein Stück Software als Kunst bezeichnen, außer man hat es vielleicht mit ASCII-Art kombiniert. 😉
    Kunst kann im allgemeinen sehr gut unterhalten, wenn man sie denn versteht.

    Männer haben in diesem Fall die gleiche Chance wie Frauen mit dem Unterschied, dass wenn MANN keine Lust hat sich die Mühe zu machen und seine Figur als Zauberer neu zu definieren, er einfach in die traditionelle Rolle zurückfallen kann, so wie das mehr als 90% der mir bekannten Zauberer auch machen, weil es einfach einfacher ist. Frauen müssen sich Gedanken um ihre Figur als Zauberin machen, egal ob sie wollen oder nicht. Tun sie es nämlich nicht, dann zeigen sie nur ein paar Tricks und machen dabei eher keine gute Figur. Auf deutsch: selbst wenn die Tricks klappen, ist der Auftritt peinlich und wird nicht in der derselben Weise akzeptiert wie wenn ein männlicher Zauberer genau das gleiche Schauspiel macht.

    „der Kunst eine neue Chance zur Akzeptanz in der Öffentlichkeit zu geben“
    Ich glaube nicht, dass es meine Aufgabe oder die anderer Frauen ist der Zauberkunst ein neues Bild in der Öffentlichkeit zu verschaffen. Als Nebeneffekt guter Zauberei von Frauen kann das durchaus passieren, aber generell bin ich der Meinung, dass sich die Männer irgendwann diese Rolle selbst eingebrockt haben und damit auch viel Ruhm und Geld geerntet haben. Nun müssen sie ihre Suppe halt auslöffeln oder die gleichen Anstrengungen an den Tag legen, die jede Frau, die(erfolgreich) zaubert selbstverständlich schon mitgebracht hat um eine gute Nummer zu kreieren und diese dann auch verkaufen zu können.

  3. Vieleicht habe ich mich etwas unvollständig ausgedrückt.
    Nicht der Zauberei im Allgemeinen, sondern der zauberei auf die Frau beschränkt sehe ich bei Euch die Chance, die Männer in der Aussendarstellung zu überholen.
    Männer sind (das ist richtig erkannt) Opfer ihrer eigenen blöden Darstellungen der letzten Jahrzehnte.

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