Teil 3: Wie lerne ich (m)einen (ersten) Trick?

„Hier ist ein Buch, hier sind meine Hände und da ist ein Requisit (z.B. Kartenspiel). Und wie lerne ich jetzt zaubern?“

Eine Hand hält das Buch, die andere das Kartenspiel. Mein rechtes Auge beobachtet mich im Spiegel, mein linkes liest: Nun heben Sie das Spiel einmal ab“. Nun sieht mein drittes Auge wie ich mit der dritten Hand einen Teil des Kartenspiels aus der zweiten abhebe…

Ähhhhh ich habe leider nur zwei (linke) Hände. Geht es dir etwa genauso? 😉

Wenn ich einen neuen Trick aus einem Buch lernen möchte, ist der erste Schritt immer die Effektbeschreibung durchzulesen. Meistens ist die Effektbeschreibung (= das Magische was der Zuschauer sieht) schon sehr kompliziert beschrieben, so dass man Mühe hat sich das alles im Kopf vorzustellen. Deshalb nehme ich in solchen Fällen einfach mal die Requisiten in die Hand und mache das nach was in der Effektbeschreibung steht, damit ich eine Idee bekomme, worum es eigentlich geht bzw. was der Zuschauer eigentlich sehen SOLL.

Als zweiten Schritt überlege ich mir, wie ich einen solchen Effekt realisieren würde. Dieser Schritt ist nicht unbedingt notwendig, aber er hält das Gehirn kreativ und zeigt manchmal die naheliegendste Erklärung auf. Also das, was ein Zuschauer vermuten würde, wenn er nur das sieht, was er sehen soll.
Diese Erklärungsmöglichkeiten, die man gefunden hat, sollte man anschließend (,wenn man den Trick gut kann) schon im Vorfeld ausräumen, damit der Zuschauer nicht einfach denkt: „Oh das geht so und so.“, selbst wenn es in Wirklichkeit anders realisiert wurde. Wenn der Zuschauer eine für sich stimmige Erklärung gefunden hat, wie der Effekt erreicht wurde, ist die Magie verschwunden. Oft ist dann noch eine gewisse Bewunderung vorhanden ähnlich wie bei einem Jongleur oder Turner, aber der magische Moment ist weg. Deswegen ist dieser Schritt für mich persönlich ziemlich wichtig.

Als dritten Schritt lese ich mir die Erklärung einmal durch bis zu dem Punkt wo ich komplett aussteige. Dann nehme ich mir die Beschreibung Satz für Satz vor und mache genau das was beschrieben ist. Dabei zerlege ich die Handlung in möglichst kleine Teilhandlungen. Ich versuche dann die erste Teilhandlung und wiederhole sie so lange bis sie richtig gut sitzt und ich nicht mehr groß darüber nachdenken muss. Nun betrachte ich die nächste Teilhandlung und übe sie bis ich sie genauso gut wie die erste kann. Bevor ich nun zur dritten Teilhandlung komme, verbinde ich die ersten zwei, bis sie sich sehr flüssig anfühlen – so wie nur EINE Teilhandlung. Die restlichen Teilhandlungen füge ich genauso an die ersten an, bis das Grundgerüst des Tricks steht.

Ich weiß nun, was ich wann, wo und wie machen muss, damit der Effekt funktioniert. Diesen kahlen Trick führe ich manchmal Freunden oder Verwandten vor, um zu testen welchen Wirkung der Effekt an sich auf Zuschauer hat – die inherente Wirkung des Effekts. Besteht ein Trick diesen Test nicht, dann müsste der Trick
z.B. durch eine sehr spannende und ergreifende Geschichte aufgewertet werden. Macht man das, verkommt der Trick zu einer Art Spezialeffekt wie in Filmen. Das heißt nicht mehr die Geschichte wertet den Trick auf, sondern der Trick die Geschichte. Deshalb sortiere ich alle Tricks aus, die diesen Test nicht bestehen, da ein starker Effekt mit starker Geschichte mehr wert ist als ein schwacher Effekt mit starker Geschichte.

Nachdem mich der Trick überzeugt hat und ich ihn vorführen kann, kommt das worin die meisten Zauberer den Unterschied zwischen Trick und Kunststück sehen: Der Text zum Trick. Für mich ist das meistens ein sehr einfacher Schritt, wenn ich mir überlege: „Wer könnte einen Nutzen davon haben, eine solche Fähigkeit zu besitzen?“ Eine Friseuse fände es bestimmt toll, wenn sie einmal abgeschnittenes Haar einfach wieder ankleben könnte, so dass es wie vorher ist (z.B. für eine Cut and Restored Routine) oder ein Müllmann sieht wie ein seltenes MickeyMaus Comic gerade so in der Papierpresse verschwindet. Wäre es nicht nützlich wenn er die Zeitschrift wieder restaurieren könnte (wie eine Zeitung z.B. ;-))? Mit dieser Frage kommen mir meistens nicht nur Ideen für einen Text sondern auch für potentielle Bühnencharaktere. Probiere es mal aus!

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