Respekt

Eigentlich hatte ich total vergessen, dass ich über Respekt gegenüber Künstlern schreiben wollte, als ich vor etwa einer Woche den Spiegelartikel las. Der Artikel bringt die Geringschätzung der meisten Künstler auf den Punkt. R.e.s.p.e.k.t.

Umso mehr Zauberer – aber auch Artisten und Musiker – ich kennen lerne, desto mehr fällt mir auf, dass der Gesellschaft der Respekt gegenüber den Künstlern fehlt. Das fängt bei meinen ganz persönlichen Vorurteilen an und äußert sich öfters mal in Gagenverhandlungen oder ganz allgemein darin, wie sich Veranstalter verhalten. Mein aktuelles Highlight aus der Branche: „Die Künstler sollen aber nicht im gleichen Hotel nächtigen, weil die ‚Verhältnismäßigkeit‘ nicht stimme.“

Diese fehlende Wertschätzung begegnet einem zum ersten Mal, wenn man als kleines Kind auf die Idee kommt Künstler werden zu wollen. Schnell bekommt man von allen Seiten zu hören, dass man doch was Richtiges lernen sollte. Wohl vor dem Hintergrund, dass man von Kunst ja nicht leben kann WEIL – das wird dann nicht mehr so deutlich ausgesprochen – Kunst ja nichts wert sei.

Ähhhhhmmmmm ja genau. Da kann wohl jemand nicht rechnen. Warte mal, …muss man als Künstler ja auch nicht können. Mathematik wäre ja schon wieder gesellschaftlich zu angesehen… Allein der monetäre Wert, der in die Entwicklung eines 8-10min Act gesteckt wird, ist häufig schon immens. Dazu kommt dann noch die ganze Zeit und das Herzblut für die Entstehung einer Nummer.

Die meisten Leute betreiben Kunst höchstens als Hobby in ihrer Freizeit. Viele bewundern aber trotzdem die Größen ihrer jeweiligen Kunstrichtung, die das fast immer nicht mehr nur nebenbei machen können.

Sogar manche Künstler nehmen diese geringschätzende Sicht an und verkaufen sich dann auch zu einer entsprechend niedrigen Gage. Auch wenn man das nicht tut, wird man immer wieder mit einer solchen Sicht konfrontiert, die sich auch kaum ändert, selbst wenn man als Künstler offensichtlich gut und erfolgreich ist.

Da ich auch noch Wirtschaftsingenieurwesen studiere kenne ich die Reaktionen aus beiden Welten sehr gut. Manchmal mache ich mir den Spaß und erwähne mein Studium bzw. die Zauberkunst oder Artistik erst ganz zum Schluss. Da kann man den Gedanken: „Scheiße, die ist doch nicht so doof, wie ich dachte.“ schon ab und zu förmlich aus den Gesichtern ablesen. Mit dem Abschluss werde ich mir auf jeden Fall Respekt erkaufen können. Gut finde ich das allerdings nicht.

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