Teil 2: Gagendiskussionen: Wie hoch sollte die Gage sein?

Gagendiskussionen ist das Lieblingszankthema von Zauberern. Bei kaum einem anderen Thema gibt es mehr Meinungsverschiedenheiten als bei der Preisgestaltung für eine Zaubershow.

Es gibt gute und es gibt schlechte Zaubershows, es gibt Leute die leben davon und es gibt Leute, die tun das nicht.

Die Frage stellt sich nun, wonach ein Zauberer seine Preise bestimmen sollte.

Angebot und Nachfrage: Man nimmt einfach so viel, wie man gerade noch bekommen kann. Ist die Nachfrage (und der Preis) hoch ist das für alle (außer für die Konsumentenrente des Veranstalters) ein gutes Geschäft. Sonst fände es ja auch nicht statt. Bloß was passiert, wenn es mehr Angebot als Nachfrage gibt. Sinkende Preise, weniger Einkommen, noch weniger Gewinn, Hartz4, sofern man davon lebt. Auch für Leute mit wenig Verhandlungsgeschick ist das eine denkbar schlechte Situation und diese Möglichkeit wird auch kaum der Leistung des Künstlers gerecht.

Bedarf:
Die Idee: Der Zauberer verlangt was er braucht. Wenn er noch einen anderen Job hat, zaubert er kostenlos und der hauptberufliche Zauberer verlangt hohe Gagen, so dass er gerade noch/gut/sehr gut davon leben kann. (Braucht man eigentlich den zweiten Ferrari zum Leben? – Hmmm, glaub schon… Ach ja, damit fährt unsere Haushälterin immer einkaufen. Also ja.) Das Problem ist offensichtlich:

Die Veranstalter werden immer die billigen/kostenlosen Zauberer nehmen, solange sie die Qualität eines Zauberers nicht richtig beurteilen können oder wollen. Ansonsten wären sie ja schön blöd. Mehr für einen schlechteren Zauberer ausgeben macht keinen Sinn (sinkender Grenzerlös). Das Problem hierbei ist nicht in erster Linie, dass die schlechten zu viel verlangen sondern v.a., dass die guten für zu wenig Geld auftreten.

Können bzw. Wert für den Veranstalter: Das wäre die sinnvollste Grundlage für die Höhe einer Gage aber leider ist das sehr subjektiv bzw. lässt sich das erst im Nachhinein feststellen. „Offizielle“ Siebmechanismen wie ein bestimmter Berufs- oder Schulabschluss oder die Absolvierung der Aufnahmeprüfung des MZvD sagen leider immer sehr wenig über das tatsächliche Können eines Künstlers aus.

Die scheinbar sinnvollste Grundlage scheint die Aufwand-basierte Methode zu sein. Die Gage orientiert sich am Aufwand, den der Künstler für die Show hatte. Mehr dazu im letzten Artikel dieser kleinen Serie.

Ein Gedanke zu “Teil 2: Gagendiskussionen: Wie hoch sollte die Gage sein?

  1. Eigentlich müßte das doch alles gar nicht so schwer sein.
    Man hat eine Ausbildung /Lehrzeit, in der man in der Regel nichts oder so gut wie nichts verdient. In meinem Fall wären das zwei handwerkliche Ausbildungen, ein Studium an der „Kunsthochschule in der Universität Kassel“ und privater Schauspielunterricht. Dann muß ich investieren in Requisite, Transportmittel, Transportkosten, Probenzeiten, Probenraum und später evtl. Mitarbeiter. Requsite wird in aller Regel sowohl ausgebaut als auch erneuert. Das alles muß in der Kalkulation berücksichtigt werden.
    Damit vergleiche ich mich mit anderen Dienstleistern, die etwa Werbeagenturen, Eventagenturen oder ähnliches betreiben. Tatsächlich ist bis heute die Werbung eines meiner bedeutensten Betätigungsfelder. Somit vergleiche ich im Idealfall meine Gage mit den Honoraren in diesem Bereich. Leider bleiben dennoch meine Einkünfte zumeist etwas, manchmal auch stark, hinter denen derer zurück, was daran liegt, daß zuviele Minderleister, ja sogar Betrüger („Ach, du hast einen schwebenden Tisch?“ „Nee, den hab ich mir nur für ein Foto ausgeliehen!“), in unserem Bereich unterwegs sind. Trotzdem muß das Ziel bleiben, die Orientierung an vergleichbar Ausgebildeten ähnlicher Branchen zu halten. Dazu wäre eine politische Mindest-Absicherung unserer Künstler-„Branche“ hilfreich. Bisher gibts da aber nur einen uralten Tarifvertrag durch die ÖTV (heute ver.di), der den Unterhaltungskünstlern eine Mindestgage von -50,- DM bei freier Verpflegung am Tag garantierte. Der dürfte, wie leicht zu erkennen ist, heute kaum mehr Bedeutung haben – und wie weit kommt man als Freiberufler mit fünfundzwanzig Euro?
    Fazit: Man kalkuliere so, daß es für den Veranstalter leicht durchschaubar, schlüssig und nachvollziehbar ist! Schließlich ist das ein Beruf und keine „Liebhaberei“ (Gruß ans Finanzamt!).

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