Warum es sich für Frauen nicht lohnt im MINT Bereich tätig zu sein

… außer vielleicht als Sekretärin.

Heute wurde ich einmal wieder in meiner Entscheidung bestätigt, mein Studium NICHT zum Beruf zu machen. Es lohnt sich einfach nicht; es kostet zu viel Kraft und aufgrund der ganzen unfairen Strukturen und Verhaltensweisen macht das auch keinen Spaß. Da ist Zaubern doch viel schöner. 😉

In der Schule bekommen Jungs mehr Aufmerksamkeit, werden beim lauten Reinrufen weniger getadelt und die Lehrer erwarten eher, dass sie gute Leistungen erbringen (Selbsterfüllende Prophezeiung, transportiert auf Andere). Das führt dazu, dass sie besser gefördert werden.

Für mich als Frau bedeutet das, bei gleicher Begabung hätte ich als Mann schon ab dem Kindergarten mehr Entfaltungsmöglichungen, würde mehr ermutigt, bekäme mehr Chancen aufgezeigt und hätte allgemein in dem Bereich bessere Entwicklungsmöglichkeiten. Sehr bezeichnend dazu ist die Produktstrategie von Lego

Wenn ich den MINT Bereich bei der Berufswahl außen vor lasse erspare ich mir Mobbing und Hänseleien.

An der TU Berlin:
Ich fahre extra eine Stunde zur Sprechstunde um mir eine Aufgabe erklären zu lassen. Der Typ dort erklärt einer Kommilitonin gerade noch wie man den chemischen Umsatz berechnet. (Ist jetzt nicht so schwer: Anfangsmenge minus umgesetzte Menge, geteilt durch die Anfangsmenge.) In der Beispielaufgabe geht es sich um ein Auto; die Daten waren alle angeben. Nun war ich neugierig und wollte wissen, wie man solche Angaben denn im echten Leben messen könnte und wie das in einer großen Anlage funktionieren würde. Das Fach heißt technische Chemie. Da geht es halt nun mal darum, chemische Prozesse so zu charakterisieren, dass man dann eine Großanlage bauen kann.

Das Gespräch, ein wenig verkürzt:
ER: Tank ist voll. Man nehme etwas raus, z.B. zum Verbrennen im Motor und der chemische Umsatz ist dann das was im Tank noch ist, geteilt durch den vollen Tank.
ICH: Es geht doch um eine chemische Reaktion, also wie viel in den Motor kommt, dort umgesetzt wird und vor allem wie viel noch übrig bleibt, das dann der Katalysator umsetzen muss.
ER: Der Katalysator ist nicht zum Verbrennen von Benzin da. (Der Tonfall war irgendwie eindeutig.)
ICH: Ja, das ist klar, aber im Motor wird doch auch nicht immer alles Benzin vollständig verbrannt.
ER: Wenn Sie 300€ im Portmonnaie haben und davon 150€ ausgeben, dann haben sie noch …. geteilt durch … . Dann ist der Umsatz 50%.
ICH: Der Umsatz ist dann höchstens -50% weil ich ja Geld ausgegeben habe. Wenn ich eine Firma habe und …. Ach, lassen wir das. Ich habe sowieso andere Fragen.

Ich zeige Interesse und stelle eine weiterführende Frage und was passiert? Ich werde mehrmals für dumm erklärt. Leute, so macht das richtig viel Spaß. Schon blöd, wenn du Interesse hast und es auch zeigst dann bist du entweder der Nerd oder wirst für dumm erklärt. Juchuuu!!

Das können auch sogenannte Girls Days oder Ähnliches nicht reparieren. Da gibt es dann vereinfachte Versuche und Aufgaben, damit es nicht zu schwer ist, sondern einfach ist und Spaß macht. Jaaa, da fühle ich mich total ernst genommen. Bitte alles einmal einfacher und in pink. (Obwohl pink ja nicht per se schlecht ist. Den Taschenrechner Casio FX 85 GT in pink hier habe ich mir erst neulich bestellt. Der kann genauso viel wie der in grau.)

Um im Beruf erfolgreich zu sein, muss ich den Poser spielen und ja nicht zu genau hinschauen und einfach das machen was mir aufgetragen wurde. Ethik und Moral spielen keine Rolle mehr. Beispiel: Mathermatiker bei einer Bank Das ist einfach inakzeptabel. Aber wenn ich als Frau einen solchen Job mache und mich unethisch verhalte, dann ziehe ich mir die höchst mögliche Verachtung der Gesellschaft und viel wichtiger meines sozialen Umfelds, also Freunde und Verwandte, zu. Diese Beobachtungen ziehen sich durch alle betrachteten Arbeitsmöglichkeiten durch, in denen ich mich erfolgreich sehen könnte. Es ist ja jetzt nicht so, dass das ethische Konflikte eines Jobs kein offenes Geheimnis wäre. Sobald man über die 10 Minuten Smalltalk hinauskommt, ist meist schon offensichtlich worum es in einem Job geht, wenn man sich nicht komplett vom Business Denglisch blenden lässt.

Aber soweit kommt es meistens nicht, denn wenn man als Frau nicht schon automatisch wegen einer gewissen Gebärausfallwahrscheinlichkeit aussortiert wurde, dann hat man zwei Möglichkeiten: Entweder man arbeitet mehr um das gleiche Gehalt zu erhalten oder man bekommt für die gleiche Arbeit ein geringeres*. Bitte wählen Sie. – Vielen Dank auch. Dazu kommt dann noch eine allgemeine Geringschätzung der Arbeit von Frauen. Oder man ignoriert das Wissen und die Expertise einfach und beschränkt sich auf das Äußerliche. „Sieht doch ganz nett aus, die Kleine.“ Das geht so weit, dass man sogar entsprechende Post bekommt: Emily Graslies Brain Scoop-Emily reads her Inbox.

Noch schöner ist es natürlich einmal gänzlich ignoriert zu werden.

Karriere Messe in Karlsruhe (noch vor meinem Studium dort). Der Stand eines
Autozulieferers: Ich habe es echt versucht. Ich stand 5min an dem Stand und habe versucht die Leute am Stand anzusprechen. Die haben mich völlig ignoriert.

Die Zusammenfassung: Schlechte Chancen von klein auf, Mobbing, mangelnder Respekt und die daraus folgende Reduzierung auf Äußerlichkeiten machen wenig Lust auf eine Karriere im MINT Bereich. Vielleicht hilft ja eine Geschlechtsumwandlung….

Wenn man tatsächlich etwas ändern möchte, dann müssen insbesondere MÄNNER dieses Problem erkennen, ernst nehmen und auch darüber schreiben, reden, berichten. Wenn sich nur Frauen über diese Strukturen empören, dann wird sich, wie Emily Graslie schon sagte, nicht viel ändern.

Für weitere Belege, Studien und Informationen kann ich folgendes Buch empfehlen: Work Left Undone von Sally Morgan Reis

*Es gibt vielleicht Ausnahmen und ja es gibt Gesetze dagegen aber wenn man so viel verdienen möchte, dass ein Tariflohn nur noch einen Bruchteil des Gehalts ausmachen würde, dann sieht es ziemlich öde aus für Frauen.

10 Gedanken zu “Warum es sich für Frauen nicht lohnt im MINT Bereich tätig zu sein

  1. Das hört sich aber sehr traurig an. Ich möchte nicht verleugnen, dass es Frauen oft schwerer haben und auf Vorurteile treffen.
    Aber ich kenne genügend Frauen in Firmen, die es trotzdem schaffen anerkannt zu sein und Karriere zu machen. Mein Einblick schränkt sich auf den Zweig Naturwissenschaftliche Studien ein und dort ist die Welt eher von Frauen beherrscht. Zumindest in den Konzernen, mit denen ich zu tun habe, sind die Treiber eher Frauen. Das Thema stellt sich aus meiner Sicht eher, wenn Frauen sich für Spitzenpositionen bewerben. Dies sind oft Jobs, die sehr familienfeindlich sind, Flexibilität und Mobilität verlangen, die Frauen oft einfach nicht mitmachen wollen. Frauen haben in vielen Fällen auch die bessere Einstellung was Work/Life Balance angeht und vernachlässigen ihr Umfeld für den Job nicht so schnell wie das ein Mann aus Karrieregründen bereit ist. Aber auch hier gibt es Ausnahmen. Trotzdem kein Grund eine Berufsausbildung an den Nagel zu hängen nur weil man glaubt, dass man keine Chance hat.

    • Ich bin mir auch sicher, dass man es trotzdem schaffen kann und es auch einige schaffen. Nur für welchen Preis? Wenn die Treiber die Frauen sind, aber dafür keine entsprechende Position einnehmen, dann sehe ich da auch ein Problem mangelnder (auch monetärer) Anerkennung.

      Diese dauernde Ungleichbehandlung und das Ankämpfen gegen Vorurteile macht ungefähr genau so viel Spaß wie wenn man einen Zuschauer in seiner Show hat, der dauernd ruft: „Ich habs gesehen, da sind Magnete.“, „Du hast das in deiner rechten Hand versteckt.“, „Zeig nochmal“, „Das sind Spiegel.“, „Ich habs genau gesehen.“, usw. und dabei vor allem nicht aufhört. Und wenn man den einen Zuschauer aus dem Raum geschmissen hat, dann sagt einer: „Richtig so.“ und zeitgleich fängt ein anderer genauso penetrant mit solchen Zwischenrufen an.

      Das macht einfach keinen Spaß. Auch wenn ich Chancen habe und das Themenfeld interessant ist und alles. Das verdirbt auf Dauer einfach die Laune. Das Problem ist auch, dass man als Frau in anderen Themengebieten, in denen man vielleicht keine Begabung hat, aufgrund solcher Strukturen leichter Erfolg haben kann, als in technischen Bereichen. Und genau deswegen lohnt es sich nicht und genau deswegen rege ich mich auch darüber auf.

      Zum Glück ist der Prof wenigstens in Ordnung. Aber es ist irgendwie schon gruselig, wenn man solche Mitarbeiter am Lehrstuhl duldet.

      Für die, die es einfach nicht lassen können, gibt es meiner Meinung nach zwei ganz gute Möglichkeiten:
      1. Selbst gründen und sein eigener Chef sein. Da hat man nur noch mit ignoranten Kunden zu kämpfen, aber im Idealfall kann man sich die dann aussuchen. Zudem sind Gründungen von Frauen statisch gesehen erfolgreicher weil sie generell nachhaltigere Strategien verfolgen.
      2. Damit man nicht immer automatisch als Sekretärin oder Zuarbeiterin abgestempelt wird, nur in reinen Frauenteams oder alleine seine Arbeiten veröffentlichen. Wenn dann jemand aus der Arbeit zitiert steht zumindest immer mindestens ein Frauenname da.

  2. Mich irritieren solche Berichte immer. Ich habe als Frau lange im MINT-Bereich gearbeitet und wenn ich nicht voll genommen wurde, dann immer nur von zwei Personenkreisen. a) Hotlines, u.a. von Produkten die ich betreuen musste. Da haben die Telefonabnehmer immer auf „mit Doofies reden“ geschaltet wenn eine weibliche Stimme dran war und es war immer ziemlich nervötend ihnen zu beweisen, dass man mehr Ahnung hat als sie. Manchmal habe ich deswegen tatsächlich auf Frauchen geschaltet „Hach, können sie mir da helfen, ich verstehe das ja nicht so…“ dann lief es wie geschmiert. b) Headhunter. Anrufe die nach „Herr Eckenfels“ verlangten, obwohl sie jemanden mit meinem Profil suchten, nicht dem meines Mannes. Ansprache als „Herr Eckenfels“ in der Email. Fragen wie „Haben sie schon mal eine Kommandozeile benutzt“ obwohl da was von 15 Jahre Unix-Erfahrung im CV stand …

    Ansonsten muss eigentlich jeder IT-ler, der neu in einen Betrieb oder eine Abteilung kommt erst mal beweisen, ob er was kann. Männlein wie Weiblein. Es gibt einfach zu viele, die zwar einen Abschluß haben, aber dennoch keine Ahnung. Aber das war immer kein Problem und danach wurde meine Kompetenz nie angezweifelt. Und das obwohl ich neben der Teamsekretärin fast immer die einzige Frau im Team/Abteilung etc. war.

    • Hmm aber genau der Punkt – dass man beweisen muss, dass man mehr Ahnung hat – ist doch übelst diskriminierend und anstrengend. Vielleicht strahlt meine äußere Erscheinung einfach weniger Kompetenz aus als bei anderen. Ich weiß es nicht.

      In den USA musste ich bei der Kurswahl 3 Mal sagen: Ja, ich weiß, dass die Amis den AP Chemistry Kurs erst nach einem Jahr Chemie belegen. Aber ich hatte in Deutschland bereits 3 Jahre Chemie. Ja, ich will diesen Kurs belegen. Ja, ich bin mir sicher.

      Sowas nervt einfach. Wenn man sich da nicht ganz ganz sicher ist, ist man draußen und belegt stattdessen Sandwich legen, Bügeln und Putzen.

      Und ich will nicht unterwürfig als Frauchen auftreten, sondern als Frau den entsprechenden Respekt bekommen.

      Komischerweise muss ich mich auch nur in sogenannten Männerdomänen beweisen. In anderen Bereichen reicht einfach ein Ich-will-das-machen aus und dann wird davon ausgegangen, dass ich das schon irgendwie schaffe.

  3. Pingback: Girls just wanna be Nerds - Geschenke für Nerds

  4. Betr: *Um im Beruf erfolgreich zu sein, muss ich den Poser spielen und ja nicht zu genau hinschauen und einfach das machen was mir aufgetragen wurde. Ethik und Moral spielen keine Rolle mehr. .
    Aber wenn ich als Frau einen solchen Job mache und mich unethisch verhalte, dann ziehe ich mir die höchst mögliche Verachtung der Gesellschaft und viel wichtiger meines sozialen Umfelds, also Freunde und Verwandte, zu. *

    Das gilt für Männer auch, aber denen ist das mehrheitlich egal – bzw. jene, denen es nicht egal ist, machen auch keine Karriere. 😉

    siehe dazu Link

    • Zu dem Link:

      Ich glaube nicht, dass Männer und Frauen unterschiedliche Gehirne haben. Sie wurden einfach unterschiedlich sozialisiert. Zum Beispiel glaubt man im asiatischem Raum, dass Frauen in Mathe besser sind als Männer. Das führt dazu, dass dort die Testergebnisse von Frauen im Schnitt besser sind als die der Männer. Im Westen ist es andersrum.

      • Lass dich nicht von den Bezeichnungen in die Irre leiten. SBC, der ja auch intensiv über Autismus forscht, sagt nicht, dass Männer und Frauen andere Gehirne haben. Er sagt eigentlich, dass es ein männliches und ein weibliches Gehirn gibt, aber nicht zwingend ob die auch in einem männlichen oder weiblichen Körper stecken.

        Nach seiner Definition habe ich ein ‚extreme male brain‘, es gibt aber auch Männer mit weiblichen Hirnen und weiblicher Denkweise. Ich glaube er setzt mit seiner Definition einfach darauf auf, was die Gesellschaft unter weiblicher und männlicher Denkweise versteht.

        Ist im Endeffekt schon etwas unglücklich.

  5. Nen bissle spät, aber ich sage trotzdem mal was dazu.
    Ich finde durchaus, dass man als Frau in diesem Bereich Karriere machen kann.
    Die Chancen stehen sogar besser als woanders.
    (Typisches Rollenbild:
    Frauen studieren Kommunikation und Gestaltung;
    Manner Technik und Naturwissenschaft)

    Meine Freundin studiert Kommunikationswissenschaften…zusammen mit 21 anderen Frauen (nur in ihrem Semester) und 2 Männern.
    Nun ich bin mir ziemlich sicher die beiden Männer haben ne spätere Anstellung sicher, aber wie viele der Frauen werden wohl sofort eine Stelle finden…bei der Konkurrenz. Die meisten Betriebe versuchen immer etwas die Quote zu halten, also werden sie die Männer alleine deshalb einstellen.
    Hier haben wir wieder das typische Problem, dass man im Durchschnitt nicht herausragen kann.
    Durchschnitt ist halt Durchschnitt, und Spitze ist Spitze, also schafft man sich halt seine eigene Spitze.
    Man muss sich selbst in einer Nische platzieren.
    Natürlich ist der Einstieg schwieriger, aber danach hat man sehr viel weniger Konkurrenz.
    Eine Bekannte von mir studiert Bau…irgendwas, ist im dritten Semester, und hat jetzt schon Stellenangebote.
    Meine Freundin sucht immer noch nach nem Praktikumsplatz.

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