Gage – Muss das eigentlich sein?

Wittus Witt hatte Bedenken diesen Artikel zu veröffentlichen. Deswegen gibt es ihn: jetzt! neu! nur hier! als Blog-Version:

Manche Leute schreiben mich an und behandeln mich wie einen Gott. Bei mir weckt das meist eine Emotion zwischen irritiert und amüsiert. Ich glaube die Leute denken ich hätte das Glas mit dem Inhalt „Weisheit“ bei Aldi gefunden. Tut mir Leid, da muss ich Sie leider enttäuschen, die habe ich leider nicht mit Löffeln gegessen.

Trotzdem versuche ich zu helfen wenn Fragen auftauchen. Zum Beispiel fragte ich mich neulich ein zukünftiger Pfarrer auf Facebook:

– „Ich leide unter einem Dilemma: Ich habe Freude am zaubern, aber auch am verzaubert werden, und je mehr ich das eine tu, desto schwerer wird das andere. :-)“

– „Dann musst du dich wohl entscheiden, was wichtiger für dich ist.“

– „Ich habe mir ernsthaft überlegt, mich beim Zirkel anzumelden und professionell zu werden. Aber es wird wohl eine Nebenbeschäftigung bleiben müssen.
Es ist einfach so, dass es mich schon mein Leben lang sehr interessiert und ich im privaten Rahmen begonnen habe zu zaubern.
Ich habe recherchiert und gesehen, dass es auch Kurse gibt und mich gefragt, ob ich mich nicht weiterentwickeln soll.
Weißt du, die Leute, die mir diese Tricks beigebracht haben, bringen mich jetzt nicht mehr weiter. Zum Teil habe ich sie auch schon gekannt. Das war mehr Gospel Magic nebenbei – aber gut gemeint und gut gemacht.“

– „Aber das ist eine persönliche Entscheidung.“

– „Ich weiß nicht, ob ich mich trauen soll.“

– „Das ist ungefähr so wie gut ich meinen Sport können möchte.
Davon leben ist nochmal was komplett anderes.
Das hat jetzt nicht so viel damit zu tun, wie gut man ist… leider.
Es gibt ja auch schlechte professionelle Fotografen und launige Kassierer.
Und zum Thema Zirkel, das kommt immer drauf an, wie die Leute vor Ort sind. Ich weiß dass es in [deiner Umgebung] einige nette und gute Leute gibt… also probiere es einfach mal aus.

[..]

Ich kann dir nur einen wichtigen Tipp erst mal geben. Wenn du mit Zauberei auftrittst und Geld verlangst, behalte es lieber nicht für dich sondern spende es oder verwende es für die Kirche. Ansonsten kriegst du früher oder später Probleme und die Leute reden komisch (das werden sie sowieso tun). Aber Zauberei ist eh schon so ne Sache. Als Pfarrer muss man das gut kommunizieren, dann geht das. Aber wenn der dann das Geld noch für sich behält wirst du halt auf dem Glaubensdingens unglaubwürdig.“

(Ja, manchmal gebe ich auch ungefragt Ratschläge. Ich glaube eher selten.)

– „Weißt du was? Genau das habe ich mich auch gefragt… das kann ich irgendwie gar nicht. Höchstens ohne Geld.“

– „Das würde ich prinzipiell auch nicht machen. Sonst fehlt häufig die Wertschätzung“

– „Du meinst, wenn es nichts kostet, wird es nicht geschätzt?“

– „Genau so. Nicht immer aber häufig.“

– „Meinst du ich bin unglaubwürdig?

– „Nein natürlich nicht. Aber die Leute könnten das denken, wenn du dafür Geld nimmst und das für dich behältst.“

– „Verstehst du mich jetzt, warum ich Hemmungen habe, den Schritt in Richtung Professionalität zu gehen?“

Meiner Meinung steckt prinzipiell jeder Hobbyzauberer in diesem Dilemma (ungeachtet seiner magischen Fähigkeiten). Eine Antwort auf die Frage habe ich leider nicht.

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Mein Hintergrund:

Geld und Kirche ist ja an sich schon ein schwieriges Thema. Man denke einfach nur mal an den Bischof der sich fast ein ganzes Schloss bauen ließ. Wenn einzelne Personen im kirchlichen Umfeld gut leben können oder es sogar schaffen sich ein bisschen Luxus zu erwirtschaften weckt das häufig Neid. Es wird erwartet, dass ein Pfarrer sich aufopfert und arm lebt. Als Pfarrer ist arm-sein cool. Das betrifft dann automatisch auch die ganze Familie. Mein Vater ist seit jeher bei der Kirche angestellt. Da bekommt man das alles in verschiedenen Facetten einmal mit.

Zauberei und Kirche ist ein fast genauso schönes Thema. (Achtung hier könnte Ironie versteckt sein.) Angefangen von Hexenverbrennung über Verbot von Glücksspiel und Wahrsagerei in der Bibel bis hin zu subtiler Beeinflussung der Gläubigen findet man alles wieder. Wenn man davon ausgeht, dass Jesus nur ein grandioser Zauberkünstler ähnlich wie Uri Geller aktuell war, liest sich die Bibel teilweise aus einem sehr anderen Blickwinkel.

Diese zwei kritsichen Punkte (Geld und wie reagiert mein Umfeld auf mich als Zauberer) sind zwei essentielle Dinge, die jeder bedenken sollte, bevor er sich für das Studium und die Ausübung der Zauberei entscheidet. In dieser Konstellation als Pfarrer sind diese Fragen umso bedeutungsvoller, deshalb fand ich die Unterhaltung so interessant und mitteilungswert.

2 Gedanken zu “Gage – Muss das eigentlich sein?

  1. Hallo Edith,
    interessantes Thema.
    Ich bin allerdings überhaupt nicht deiner Meinung. Ein Priester kann doch Geld für Zauberei nehmen und ist niemandem Rechenschaft schuldig, wie er es verwendet.
    Wir sprechen hier doch nicht von Heiligen, sondern von einem Beruf/Berufung, die auch noch ein persönliches und privates Leben haben darf. Dazu kann und soll man auch stehen können, ohne sich ein schlechtes Gewissen machen zu müssen.
    Trotzdem interessante Meinung, werde noch ein bisschen darüber nachdenken und meine zaubernde Priesterfreunde fragen wie sie es halten.

    • Ich bin auch der Meinung, dass der Priester einer solchen Nebentätigkeit nachgehen sollen darf. Prinzipiell sollte es auch niemanden interessieren was er wie in seiner Freizeit tut.

      Das Problem ist aber, dass man als Pfarrer in der Öffentlichkeit steht. Das bedeutet, dass man für die Leute die Werte der Kirche personifiziert und dass private Entscheidungen Konsequenzen für den Beruf haben können. Eine (seriöse) Politikerin, die gleichzeitig in ihrer Freizeit freizügige Schauspielerin ist, wird es eher schwer haben. Ebenso ein (demütiger) Pfarrer, der zu viel Geld hat/verdient und die Leute bzw. die Öffentlichkeit das weiß. Das ist einfach eine schwierige Situation -auf die hinweisen wollte-, die man gerade am Anfang seines Pfarrer Daseins vermeiden möchte, da es bereits genügend andere Fettnäpfchen, Fallen und Stolpersteine bei der Leitung einer Gemeinde gibt.

      Ich bin gespannt auf die Reaktionen deiner zaubernden Priesterfreunden!

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