2 Gedanken zu “Mindestlohn bei Künstlern?

  1. Zitat: „Und welche Verantwortung tragen Künstler und Kulturproduzenten selbst an ihren schlechten Arbeitsbedingungen?“
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    Ein schwieriges Thema. Tatsächlich ist es seit langem so, daß viele Bereiche der „Hochkultur“ mit enormen Summen gefördert werden. Staats- und Stadtheater, Museen, klassische Konzerte, Opern und mehr. Private Theaterbetriebe müssen die Förderung für jede einzelne Produktion beantragen und bekommen nur Produktionszuschüsse. Circus, Variete usw. sind zunächst einmal bis heute nicht förderungswürdig, was für den Circus zusammen mit anderen Faktoren, wie dem Verlust vieler Plätze, langfristig das Todesurteil sein kann. (Für Schausteller übrigens auch!) Da stirbt eine jahrhunderte alte Kultur!
    Wir, die wir zumeist als freie Artisten irgendwo zwischen vielen Stühlen sitzen, bekommen eh nix. Das Ergebnis ist für viele Kollegen die gnadenlose Selbstausbeutung, um über die Runden zu kommen – und will man professionell mithalten können, ist das nun mal ein Fulltime-Job.
    Ich wäre sehr dafür, auch für die Künstler selbst, nicht nur für Praktikanten (siehe Artikel), eine gerechte Förderung, also einen Mindestlohn, einzuführen. Die könnte daraus bestehen, daß, ähnlich wie in den Niederlanden, der Staat, das Bundesland, die Gemeinde für ihre Feiern Kollegen beschäftigt, bzw. bei bildenden Künstlern, die Werke vorläufig ankauft. Das ist aber natürlich nur eine Idee, wer anders mag andere haben. Nur, wenn wir nicht kulturell auch in diesem Bereich der Unterhaltung verarmen wollen, dann muß etwas geschehen – und in Mitteleuropa war nun mal immer der regierende Fürst der Förderer – anderswo sind es zum Beispiel engagierte Firmen wie in den USA. Allein, so viel ist sicher, schaffen es Künstler nicht, international qualitativ mithalten zu können. Dafür sind die Anforderungen an – teurer – Ausstattung und inhaltlicher Qualität durch viel körperlicher und rezeptiver Arbeit längst zu hoch. Nicht umsonst sehe ich auf dem internationalen Kanal des französischen Fernsehens z.B. oft deutschstämmige Künstler, von denen ich hier noch nie etwas gehört habe. Ich weiß von einem ehemals deutschen Kollegen und Freund, wie sehr sich in Frankreich Politiker bemühen, mit ausreichenden Aufträgen (!) Künstler aller Art in ihrem Einflußbereich zu halten. Das ist gut fürs Image – der Region UND der Politker!

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