Andere Sichtweisen

Die eigene Sicht unterscheidet sich häufig von Sichtweisen anderer. Heute wurde ich mal wieder mit einer eher kuriosen Sicht auf Künstler und deren Profession konfrontiert.


Hallo KUNDE,
ich hätte total Lust bei deinem Event aufzutreten.

Der Preis klingt fair! Über eine Buchung würde ich mich sehr freuen. Schau doch gerne mal in meinem Profil nach meinen Referenzen.

Vielen Dank und beste Grüße

KÜNSTLER

Interessant auch, was einem als Anfragender vorgeschlagen wird:

Hallo,
für unser Event sind wir auf der Suche nach einem top Künstler, der diesen Tag begleitet.

Wir freuen uns auf Deine Bewerbung und die mögliche Zusammenarbeit.
Liebe Grüße

Es handelt sich hier um einen Vorschlag eines Portals wie man potentielle Kunden anschreiben sollte oder wie es aus deren Sicht wohl viele Künstler machen: Das Portal wendet sich an Profis. Die Gagenvorschläge sind glücklicherweise realistisch.

Irgendwie finde ich die Diskreptanz zwischen „Bitte, bitte bucht mich!“ und „wir nehmen aber nur die absolut besten Artisten“ leicht befremdlich.

Ich sehe das Bild des hungernden Bittstellers als Archetyp eines Künstlers als sehr veraltet an. Das hat nichts mit einer modernen professionellen Dienstleistung mit Niveau zu tun. Dieses Bild ignoriert das Know-how im Bereich Wirtschaft, Business und Marketing, das heute von Nöten ist um von der Kunst einigermaßen gut leben zu können. „Der Preis klingt fair!“ wirkt auf mich wie ein Zugeständnis bzw. dass Preise generell beliebig elastisch aushandelbar sind. Dem Kunden gibt ein solcher Satz die Möglichkeit mit einem Hinweis auf ein doch kleineres Budget aufgrund unvorhergesehener Ausgaben, die Gage zu drücken. Ein Duzen finde ich im geschäftlichen Schriftverkehr extrem unangemessen. Wenn Unternehmen auf ein Duzen unter Kollegen (und Kunden) bestehen, ist das für mich ein Zeichen, dass es die Firma auf anderem Weg nicht geschafft hat einen positiven Rapport zu fördern und es nun mit Gewalt versucht.
Einen Top-Artisten zu suchen ist ambitioniert aber nicht unmöglich. Ich hoffe dahinter steht kein Anspruchsdenken, dass einem tatsächlich einer zusteht.

Vielleicht ist das aber auch doppelt clever, dass die Artisten sagen, so ein Anschreiben geht gar nicht, davon hebe ich mich jetzt ab.

Die Suchenden haben das aber bisher nicht getan.



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