Der Künstler als armer Bittsteller?!

Häufig heißt es, von der Kunst kann man nicht leben. Willst du nicht was Richtiges machen…

Wer profitiert aber eigentlich von diesem Bild der brotlosen Kunst? Wer hat da ein Interesse daran Künstler klein zu halten (und groß zu verkaufen)?

Im Prinzip alle, die zwischen dem gebuchten Künstler und seinem Publikum stehen. Da gibt es jede Menge Leute, die gerne und viel mitverdienen möchten.
In der Musik sind es Produzenten, Labels, Sender… In der Artistik und den verwandten Künsten, Agenturen, Veranstalter und Ausbildungsschulen.

Solange der Künstler als Bittsteller gesehen wird, bringt in das in ein Machtgefüge, bei dem er oder sie schlecht nein sagen können.

Gage nur 200€? – Sei doch froh, dass dich überhaupt jemand sehen will.

Das führt zu Menschen, die bereit sind sich fast tot zu arbeiten und das für einen Hungerlohn. Besonders bei Schauspielern und Theatern sind die Probenzeiten extrem hoch und die Bezahlung liegt nur knapp über Hartz4-Niveau. Die Zukunftsperspektive und die Folgen für das Familienleben sind verheerend. In der Artistik wird ein übermäßiger Verschleiß und ein hohes Verletzungsrisiko (aufgrund von zu viel Training) in Kauf genommen um vielleicht doch einen begehrten Platz bei einem Festival oder ein renommiertes Engagement zu bekommen. Nachhaltigkeit – Fehlanzeige. Manche Körper halten das besser aus, andere weniger. In China wird man als Zirkusartist verbeamtet und bekommt einen Pseudojob und ist somit abgesichert. In Europa ist das nicht so üblich. Das Ganze nennt sich dann Konkurrenzdruck und führt dazu, dass Schüler in der Artistenschule mit 10 Jahren jede Woche gewogen und vermessen werden um international mithalten zu können. In Europa findet man dabei generell weniger artistische Rekorde sondern die Nummern bestechen durch „Charakter“, auf den andere Kulturen weniger Wert legen.

Agenturen und Veranstalter profitieren von diesem Machtgefälle indem sie die Gagen niedrig halten können und selbst mehr durch die Eintrittsgelder und Gastronomie verdienen. Neuerdings treten immer mehr Akteure auf, die Aufgrund verschiedener (Sicherheits-) Vorschriften auch einen Teil vom Kuchen ab haben wollen. Der Staat mit inbegriffen.

Schulen möchten diese Strukturen aufrecht erhalten, weil es den Lehrbetrieb erheblich vereinfacht und die Schüler bei potentiellen Auftraggebern wie Agenturen, Varietés und großen Zirkussen attraktiv macht, weil sie extrem günstig und gut sind. Die meisten Künstler merken erst nach mehreren Engagements, wie hoch der Preis ist, den sie für ein bisschen Geld und ein wenig Zeit auf der Bühne oder in der Manege bezahlen. Theoretisch müssten sie dann sagen, „ähh ne halt stopp mal, so geht es nicht weiter.“ Aber das Bild des armen Künstlers verhindert das häufig oder schränkt es sehr sein. Das Aufrechterhalten dieses Bildes und dessen Internalisierung verhindern ein Aufbrechen der veralteten Strukturen und führen dazu, dass eine ungerechte Bezahlung als Schicksal eines Künstlers angesehen wird.

Zauberkünstler durchlaufen selten eine so rigide Ausbildung wie Tänzer oder Artisten. Sie kommen in der Regel aus allen Schichten der Gesellschaft und das bringt eine enorme Vielfalt mit sich. Ein Banker oder Manager würde nie auf die Idee kommen für 2-3€ pro Stunde zu arbeiten. So jemand rechnet sich das durch und nennt einen ganz anderen Preis. Dadurch, dass Zauberkünstler meistens zuerst einen bürgerlichen Beruf lernen und dann vielleicht Vollzeit Zauberer werden, haben sie jederzeit die Möglichkeit „Nein. Danke.“ zu sagen, da sie ja zumindest noch teilweise auf das Gehalt ihres ersten Berufs zurückgreifen können. Durch den Austausch mit Kollegen werden Gagen auch sehr häufig diskutiert und auch unerfahrene Teenager an wirtschaftliches Denken herangeführt. Das führt zu einem komplett anderen Auftreten und Selbstverständnis.

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